English version below

„Ich bin der freundlichste und beste Rikscha Fahrer in Cochin, Indien, der Welt. Ich zeige Dir all die versteckten Ecken, nicht-touristische Orte.“ Wer kann da schon widerstehen.

Ich begegne Ashok bei meinem Spaziergang durch Fort Cochin. Nach den Fischern mit ihren riesigen Netzen, der Strandpromenade (auf der ich der einzige westliche Tourist war) und all den historischen Gebäuden und Kirchen, steht er dann am Platz vor dem holländischen Friedhof. Breites Lächeln, ebenso breiter Schnurrbart und in der Hand ein eingeschweißter Zeitungsausschnitt mit Ihm und seiner Rikscha auf der Titelseite. Nach dem üblichen Verhandeln fahre ich also mit, Spazierengehen kann ich immer noch.
Der Taubentempel: Der heißt natürlich nicht wirklich so, sondern Jain-Tempel – aber Taubentempel trifft es gut. Jeden Mittag werden hier die Tauben zu Hunderten gefüttert – nachdem sie den Tempel dreimal umflogen haben. Beim Ruf des Tempelpriester kommen sie angeflogen und für die Gläubigen ist es etwas Besonderes, wenn sie ihnen aus der Hand fressen – für die Touristen natürlich auch. Statt sie „Ratten der Lüfte“ zu nennen, werden die Tauben hier verehrt.
Indische Wäscherei: Vor fast drei Jahrhunderten von den Holländern initiiert, um ihre Uniformen waschen zu lassen. Viel scheint sich an der Arbeitsmethodik nicht geändert zu haben, alles ist Handarbeit. In kleinen offenen Waschräumen stehen die Arbeiter im Seifenlaugenwasser in dem sie die Wäsche einweichen, sie dann auf dem Stein bearbeiten und im oberen Bassin mit Klarwasser spülen. Die langen Trockenleinen bestehen aus zwei in sich verdrehten Kordeln, die auch gleich als Wäscheklammern fungieren. Bügeln mit großen schweren Bügeleisen, teilweise noch mit glühenden Kohlen beheizt – alles schwerste körperliche Arbeit.
Unser privilegiertes Leben wird mir hier sehr deutlich vor Augen geführt, es geht uns so gut, mit unserem hohen Lebensstandard, dem Leben in Sicherheit, Freiheit und mit vielen Möglichkeiten – viel zu oft vergessen wir, das wertzuschätzen und dafür dankbar zu sein.

Nach kurzen Stopps bei Gewürz- und Gemüsemärkten (alles bunt und frisch) dann die „Highlights“: ich darf in drei verschiedenen (Souvenir-)Geschäften die interessierte Kundin spielen, damit mein lieber Rikscha-Fahrer von den Händlern Geld für seinen Sprit bekommt – immerhin hat er es mir vorher erzählt und es wird zu einem kleinem fröhlichem Spiel zwischen uns.

Aufblitzen des indischen Humors. Vielleicht stimmt sein erster Satz ja.


„I’m the friendliest and best rickshaw driver in Cochin, India, the world. I show you all the hidden places, non-tourist places.“ Who can resist such a proposition?

During my walk through Fort Cochin I encounter Ashok. After the fishermen with their giant nets, the beach promenade (where I’m the only western tourist) and all the historic buildings and churches is he standing on the place in front of the Dutch cemetery. Broad smile, similarly broad moustache and in his hands a newspaper with him and his rickshaw on the front page. After the usual bargaining I get in, there will be another time for a walk.
The Pigeon temple: of course that’s not the real name, but a very suited one. Every midday hundreds of pigeons are fed here – after they flew around the temple three times. They all come when the priest of the temple calls and it is something very special for the believer, if the pigeons feed from their hands – same is true for the tourists as well. Rather than “rats of the sky” the pigeons are worshipped here.
Indian laundry: Initiated nearly 3 centuries ago by the Dutch to get their uniforms washed. Not much seems to have changed since then, still all manual work. The workers stand in small open cubicle, their feed in soupy water to soak the laundry in before working on it on the stone, to then finally rinse it in the upper fresh water basin. The drying racks are made of two intertwisted cords that simultaneously serve as laundry pegs. Ironing with big heavy pressing iron with ember – all very heavy physical labour.
It shows me quite plainly our privileged life, we are so well off, with our high standard of living, a life in security, with freedom and many prospects – far too often we forget to value that and be thankful for it.

After short stops at spice and vegetable markets (all colourful and fresh) we come to the “highlight”: I’m allowed to play the interested customer in three different (souvenir)shops, so that this lovely rickshaw driver receives some money for petrol – at least he did tell me about it beforehand so it becomes a little cheerful game between us.

Flashes of Indian humour. Maybe his first sentence is true after all.